kurz zu mir:
Ich habe bereits seit vielen Jahren Erfahrung als Kameramann und habe mit diversen cams gearbeitet, meist jedoch nur für einen Auftraggeber, bei dem ich auch anderes getan habe (wie IT) und daher ein Pauschalbetrag erhielt. Somit weis ich nicht, was ich als Kameramann verlangen kann.
Ich kann Professionelle Videos erstellen mit gutem Schnitt, sauberem Ton und Konkurrenzfähigen shots und Einstellungen.
Nun habe ich einen Auftrag angeboten bekommen, bei dem ich in meiner Stadt 5 Interviews mit Firmeninhabern führen soll. Das ganze soll als Imagefilm für einen Verband gelten. Man sagt mir, man "brauche keine sehr gute Qualität" aber ich weis, das dem nicht so ist. Ich arbeite ohnehin nicht minderwertig, weil das kontraproduktiv wäre. Ich habe schon oft daran gedacht, damit auch in Form von Aufträgen geld zu verdienen.
Ich besitze eine Canon 5d II und habe habe ein normales Stativ. Ich bräuchte im Grunde noch ein gutes ansteckmikro, dass ich anmieten müsste.
/ich habe natürlich auch Licht, und kann auch alles selbst aufstellen/einstellen, arbeite sozusagen alleine.
Was kann man für so einen Auftrag verlangen, wenn man eine hohe Qualität anbieten kann?
Es wird mich voraussichtlich ein oder maximal zwei Tage zeit kosten, der Schnitt dürfte unproblematisch sein, da es kein Beitrag wird, sondern nur die Interviews im O-Ton, keine voice over, keine weiteren Inhalte, nichts, nur die Interviews.
Ich weis dass man nicht einfach sagen kann was ich speziell verlangen kann, weil jeder ja unterschiedlich arbeitet etc., aber ich bitte um eine Orientierungshilfe, für jemanden der das zwar kann, es aber noch nicht gegen Bezahlung als Aufträge angeboten hat.
Danke euch allen
Grüße
Antwort von nic:
150 - 450 Euro pro Tag.
Zusätzlich Fahrtkosten und Mietpreise für die Technik.
Antwort von 740intercooler:
für 150 sollte in deutschland kein freiberufler arbeiten. vor einigen jahren habe ich mal was von der 200 euro untergrenze gehört und zwar nicht darunter zu arbeiten wenn du etwas gut kannst.
solange du also kein kamerapraktikant bist und auf dem markt ernst genommen werden möchtest empfehle ich dir je nach region mindestens 200 am tag für die arbeitsleistung. bei mehreren tagen und einem gesamtpaket versteht sich. für einen tag allein sind 200 heute schon unangemessen. außerdem solltest du je nach technikaufwand eine pauschale drauf packen. du bringst ja schließlich eigenes zeug mit und das muss bezahlt werden. die mietpreise für dslr technik findest du sicher bei lokalen verleihern und kannst dich daran orientieren. dann hast du sicher fahrtkosten und ein schnittsystem stellst du ja offensichtlich auch noch bereit. all das muss angemessen honoriert werden. je nach technik und arbeitsaufwand, wobei du bei der technik sparen kannst, aber nicht bei der handarbeit.
Antwort von Jott:
Ein weites Feld. Der Interviewte soll prima aussehen, ohne Augenringe, Falten und hässliche Schatten? Und er soll nicht schwitzen? Zwei gescheite Daylight-Flächenleuchten (Kinoflo) kosten alleine schon je 80 Euro pro Tag beim Verleiher. Und da fehlt noch die "Kante". Visagistin: 300-500/Tag - mal so als Vergleich zu DEINER Leistung! Und wie soll geschnitten werden? Reinhacken mit blödem Fernsehblitzer? Oder doch zweite Kamera? Von perfektem Ton war noch gar nicht die Rede.
Aber okay, es soll ja absichtlich keine gute Qualität sein, die Leute dürfen unter Kunstlicht schwitzen und glänzen, harte Hops-Schnitte stören nicht, alles erst mal egal, Trash ist erlaubt (wird nachher natürlich anders gesehen).
Jetzt bleibt die Frage: branchenüblich berechnen oder nur kleine Aufwandsentschädigung mitnehmen, weil es sonst irgend ein Prakti mit Filmknipse umsonst macht, weil's ja nicht so schwer sein kann?
Da hilft dir niemand, fürchte ich.
Antwort von Bergspetzl:
Rechne einfqch deine arbeitszeit und kosten: mind. 350/tag bei mehreren aufträgen der gleichen person + technik. Schnitt ähnlich, schnittplatz ist vllt. etwas billiger, der cutter aber teurer, kommst auch auf 400€ + technik. Macht bei 1 drehtag + 1 schnittag + 80 für cam, 150 für licht, 40 für ton, 150 für schnittplatz, planung, kommunikationskosten, fahrt... mind 1200€ + mwst als untergrenze.... Und das ist fair, wenns gut gemacht ist...
Antwort von Jalue:
Ich komme auf einen ähnlichen Betrag wie Bergspetzl, eher noch 100-200 mehr, vorausgesetzt wir reden hier nur von einfachen Online-Filmchen journalistischer Machart, ohne Sachen wie Logo-Erstellung, Trailer, Abbinder, Musikrechte... Generell sind Fragen wie „was kann ich verlangen?“ eigentlich unsinnig ohne sehr genaue Angaben zum betreffenden Projekt. 350 € Tagesgage für einen Veejay mit Equipment sind nur eine Hausnummer, der Rest ist kalkulationsabhängig, bis hin zu Kleinkram wie Parkgebühren.
Auf jeden Fall solltest du eine zweite Kamera mitkalkulieren, inkl. „drehfähigem Assi“. Bei reinen Interviewfilmen kommst du nur mit vor- oder nachgedrehten Schnittbildern kaum über die Runden.
Antwort von realman123:
Ich bedanke mich für die Meinungen. Es ist nicht einfach, aber ich werde einen angemessenen Vorschlag machen und schauen, was der Kunde sagt.
Antwort von martin2:
zumxten mal.
40 euro netto = 80 euro brutto. x 8stunden = ca. 600 euro pro tag.
für eine putzfrau (angemeldet) muss der kunde 28 euro bezahlen.
Antwort von Jalue:
@martin2:
Wie kommst du darauf, dass Netto grundsätzlich 50% vom Brutto ist? Das hängt doch von verschiedenen Faktoren ab: Steuerklasse, Art der sozialen Absicherung, Höhe der steuerlichen Abschreibungen, etc.
Und wo bitte kann ein Veejay / Rucksackproduzent in Deutschland –oder sonstwo- 600 Euro reines Honorar für einen 8-Stunden Tag in Rechnung stellen? Ich weiß, dass solche "Wunschtarife" von Interessenvertretern bisweilen gefordert werden, aber mir zumindest ist noch niemand begegnet, der das durchstellen kann. Leider...
Antwort von domain:
Also meine letzte Putzfrau war eine Fette aus Marokko. Anfänglich bekam sie nur € 15.- schwarz. Aber dann kam sie immer öfter mit einem Sack voller Fressalien zu mir und allmählich fing sie bei mir auch zu kochen an. War eine interessante kulinarische Erfahrung und die Küche hat sie danach auch immer picobello geputzt, aber sonst nix.
War eigentlich besser als jede Ehefrau. Denn wenn man div. Menschen kennt, dann glaubt man, dass sie eigentlich schon tot sind, dabei sind sie einfach nur verheiratet.
Wenn sie hätte meine Filme schneiden können, was ich defacto viel weniger mag, als im Internet zu surfen, dann hätte sie € 30.- per Stunde bekommen und das wären offiziell angemeldet sicher 50.- btto gewesen.
Also darunter kann wohl auch nicht der eigene Stundensatz liegen, bei Porsche geht unter 100.- gar nichts.
Antwort von Jalue:
Na ja, ich glaube, hier werden Angestelltenverhältnis, Selbständigkeit und verschiedene Branchen fröhlich durcheinander geworfen. Wenn du als 08/15 Freiberufler im Medienbereich den Brutto-Stundenlohn eines fest angestellten Porsche-Technikers als Maßstab nimmst, dann kann ich nur sagen; viel Glück!
Was natürlich stimmt: Man muss seine Preise so kalkulieren, dass bei der Gewinn- und Verlustrechnung zum Ende des Steuerjahres (hoffentlich) ein PLUS steht. Gleichzeitig darf das PLUS nicht zu groß sein, sonst klopft Mr. Finanzamt kalt lächelnd ans Türchen: Nachzahlung, angepasste Vorauszahlung, nachträgliche Anpassung früherer Vorauszahlungen... Alles etwas komplexer als bei Meisterin Proper aus Marokko oder Porsche-Paule.
Antwort von Frank Glencairn:
Das mit der Autowerkstatt ist gar kein so schlechter Vergleich.
Natürlich bekommt der Mechaniker der deine Bremsen wechslet kein 100 Euro, du aber auch nicht, wenn du eine Firma hast.
Du mußt genauso Steuern zahlen, Kranken, Sozial, Unfall udwasnichtalles für Versicherungen davon zahlen, Equipment, Räumlichkeiten, Telefon usw.
Da bleiben von 100 Euro oft weniger als 50 übrig.
Wenn irgendwelche 20jährigen Berliner Hipster V-Jays aktuell von weniger leben können, dann sprechen wir uns in 20 Jahren nochmal, ob die das dann immer noch so sehen.
Wenn ich für jemanden "zu teuer" bin, das ist das halt der falsche Kunde für mich. Wenn du 4 Stunden arbeiten mußt um eine Stunde von einem Klempner zu bezahlen, läuft was falsch.
Meistens machen die "Kampfpreis" Kunden sowieso am Ende noch jede Menge (natürlich unbezahlte) Arbeit und Ärger, oder du mußt deinem Geld hinterherlaufen.
Antwort von Jalue:
Frank, also zunächst mal war hier zuletzt nur vom reinen Honorar die Rede. Wenn ich ein Imagevideo kalkuliere, kommen natürlich auch andere Posten obendrauf, die du jetzt einfach mit reinrechnest. Kilometergeld, allgemeine Kosten, Equipment, etc.
Was klassische, rein videojournalistische Jobs betrifft: Da ist kalkulatorisch natürlich weniger Spielraum, aber zumindest hier in Berlin sind die Tarife de facto bei 350,- bis 400,- gedeckelt, und ich weiß – genau wie du- dass es in HH /S-H und im Pott nicht besser aussieht.
Kann man davon leben? Sofern die Auslastung stimmt natürlich, reine EB-Kameraleute bekommen ohne eigene Ausrüstung sogar deutlich weniger pro Tag, von Tonassis mal ganz zu schweigen. Deiner Logik folgend müssten die alle unter der Brücke pennen, nicht nur 20 jährige Hipster. Tun sie aber nicht. 1. Muss man auf ‚Masse’ kommen, 2. ist Freiberuflichkeit immer eine Mischkalkulation. So habe ich vor zwei Wochen ein eher mäßig bezahltes Filmchen (Interview) für einen Firmenkunden gedreht. Der Interviewte hat mich nun aber postwendend für einen Imagefilm gebucht (…)
Back to the topic: Wäre ein Honorar von 100 Euro / Stunde wünschenswert und angemessen für qualifizierte Leute? Gar keine Frage, aber der TO wollte ja wissen, was er verlangen KANN. Und da sollten wir vielleicht einfach mal realistisch bleiben. Oder uns endlich einen Weselsky zulegen ;-)
Antwort von darth_brush:
Wenn du das Geld nicht brauchst, dann sag denen für was du bereit wärst den Auftrag zu übernehmen. Wenn die nicht wollen, Pech gehabt (für die).
Wenn man Knete benötigt, steigt man teilweise unter seinem eigenen Preis schon in der Verhandlung ein.
Nicht unterm Wert verkaufen.
Antwort von Jott:
Um finanziell auf einen grünen Zweig zu kommen, muss man a) klar besser sein als andere und b) seinen Hintern, so scheint mir, aus Berlin ("dringend Kameramann gesucht, aber leider kein Budget, eventuell Fahrtkostenzuschuss") rausheben.